Hauptseite.Archiv                      PageAutor: Pfarrer Zillmann    (22.04.2010)

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 Predigten und Andachten  2010

Inhalt

Predigt - (1 Petr 1,3-9) Himmlische Heimat   11.04.10   Pn. Orland
Predigt - (Phil 2,11 ;  Joh 8,7) Bischofsamt  28.03.10 Pfr. Zillmann



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(Hinweis: Die Predigten sind teilweise geschrieben wie vorgetragen - Es gilt das gesprochene Wort)

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  Predigt - (1 Petr 1,3-9 Himmlische Heimat)  11.04.10   Pn. Orland

Liebe Gemeinde!
Unser Predigttext steht 1. Petrus 1,3-9

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, 5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.
6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. 8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, 9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Liebe Gemeinde!
Ich sammle gerne Zeitungsseiten, genauer gesagt Seiten mit Reklame – und ganz speziell Reklame, die religiöse Motive benutzt. Und das ist gar nicht wenig, wenn man die versteckten Botschaften einmal untersucht.

Da geht es um Zukunft und Sicherheit, um Vorsorge und Gesundheit, um Familie und vor allem so etwas ähnliches wie „ewiges Leben“ – zumindest um ewige Schönheit und Jugend.

Oft kommen diese Botschaften aber auch ganz unverblümt daher: Das Schlemmerparadies im Tiefgeschoss unseres Kaufhauses lädt ein, es gibt himmlische Versuchungen oder teuflisch scharfen Senf,  Nonnen brechen ihr Schweigegelübde mit dem Flatratetarif unseres Handys, im Urlaub baumelt die Seele und Geiz ist keine Sünde mehr, sondern geil.

Merkwürdigerweise wurde ich bei Anzeigen von Banken und Sparkassen viel öfter fündig, als ich zuvor gedacht hatte. Ein Bild aus meiner Sammlung zeigt ein Fahrrad – ein Damenfahrrad. Darauf sitzt ein freundlich lächelnder Mann, schon etwas älter mit leichtem Ansatz zur Glatze. Er lächelt zuversichtlich und blickt in die Ferne, währenddessen tritt er gemächlich in die Pedale. Nun, dieser selig lächelnde Herr kann nur einer sein: richtig! Der Herr Pfarrer!

Damit ihn auch jeder wirklich erkennt, trägt er sogar seinen Talar mit Beffchen – ganz in Amtstracht also. In der rechten Hand hält er ein Büchlein, es wirkt fast  wie unter den Arm geklemmt – aber das macht ja nichts. Herr Pfarrer benutzt doch ein gemütliches Damentourenrad. Da reicht auch eine Hand am Lenker.

Trotzdem huscht die Landschaft im Hintergrund vorbei, als habe er es eilig. Nein, zu einer Amtshandlung ist er nicht unterwegs! Das Büchlein ist auch nicht das Gesangbuch oder die Bibel. Der Text auf dem Foto verrät es:“ Hochwürden weiß, wie man seine Schäfchen ins Trockene bringt. Mit dem Sparbuch von Wüstenrot. Denn da gibt´s Wachstumszinsen und einiges andere mehr. ...die Bank. Unten rechts in schönem Rot: Zum Glück berät Sie Wüstenrot.

Liebe Gemeinde, abgesehen davon, dass Pfarrer nicht in Amtstracht unterwegs sein dürfen, wenn sie private Dinge erledigen wollen und Hochwürden eine Anrede bzw. ein Titel für einen katholischen Geistlichen im Priesteramt ist, haben die Werbemacher das Lebensziel für das der Pfarrer steht, nicht ganz erfasst.

Auf ihrem Foto bezieht sich seine Zuversicht gerade nicht auf das Wort Gottes, das er nur anscheinend bei sich trägt, sondern vielmehr auf sein Sparbuch. Wer da radelt ist wohl eher der reiche Kornbauer, der zu sich selbst sagt:

 Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle.
(18)Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte
(19)und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut! (Lukas 12,16 ff)

Dieses Gleichnis von Jesus hat der Evangelist Lukas aufgeschrieben.

Liebe Gemeinde, unser Predigttext weiß auch etwas von Menschen, die „ihr Schäfchen ins Trockene bringen wollen.“ Der 1. Brief des Petrus gehört zu den sogenannten „katholischen Briefen“ im Neuen Testament. Es sind insgesamt 7 Briefe.  Schon im 3. Jahrhundert wurden sie „katholisch“, das heißt allgemein, allgemein- gültig,  genannt. Sie richteten sich an die ganze damalige Kirche, nicht mehr an eine Einzelgemeinde, wie das bei Paulus noch der Fall war: Römer, Korinther, Epheser, Philipper und so weiter.

Die „katholischen Briefe“  greifen vielmehr Lebensfragen und Glaubensfragen von mehreren Gemeinden auf. Denn denen macht es zu schaffen dass die Zeit fortschreitet. Ihre Gemeindeglieder reißen Kalenderblatt um Kalenderblatt ab, sie sehen die Jahreszeiten kommen und gehen, die Kinder erwachsen werden und sie müssen sich von Gemeindegliedern verabschieden und sie beerdigen.

Die Frage wird immer drängender: Was habt ihr uns über Ostern erzählt?
„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“(Lukas 24,34)
Diesen Ostergruß singen wir trotzig jedes Jahr wieder. Aber nicht jeder Alltag ist ein Ostermorgen.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – wir können aber nicht im ständigen Anfang leben. Der Zauber ist verflogen. Wir müssen jetzt unseren Alltag bestehen. Wir möchten „unser Schäfchen ins Trockene bringen“.
Petrus schreibt: „Doch, ihr könnt das, denn euer „Anfang“ ist ein besonderer Anfang: Ihr seid wieder geboren, neu geschaffen .Durch Ostern seid ihr in ein neues Leben eingetreten, dass euch vorher verschlossen war.“

So heißt es im Predigttext: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat... „

Petrus schreibt weiter: Ihr habt dadurch bereits etwas geerbt! Euer Lebensziel ist schon gesichert- ihr müsst den Alltag nicht dazu verschwenden, etwas erreichen zu wollen. Ihr habt ein Erbe das nicht „verwelkt“.

Liebe Gemeinde, ich freue mich, dass Petrus dieses Wort gewählt hat: verwelken! Zu seiner Zeit gab es noch kein Papiergeld, keine Depots oder Schatzbriefe. Trotzdem wusste er, dass Wertsachen nicht ewig halten. Er stellte sie mit Pflanzen gleich, die sich am Ende des Sommers braun färben und verwelken – vergehen.

Der ganze Satz lautet: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch.

Nun, ein Depot im Himmel – das kann keine hiesige Bank bieten. Und darauf spielt ja auch unsere Reklame für die Bausparkasse an: Ihr Grundtext lautet doch in etwa: was willst du dich auf später vertrösten lassen – sieh nur hier zu, wie du dein Geld gut anlegst. Was ist schon eine himmlische Heimat, wenn du auch hier Bauland erwerben kannst?

Die Empfänger des Petrusbriefes haben sich wohl Ähnliches anhören müssen. Denn Petrus nimmt ihre Erlebnisse auf und schreibt:“ die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen...“

Anfechtungen!  Die Kirche ist zu seiner Zeit nicht immer glanzvoll und schon gar nicht mächtig. Schließlich kann keiner gezwungen werden Christ zu sein oder Christ zu bleiben. Viele treten aus.

Warum? Sie merken, dass der Zauber des Ostermorgens verflogen ist. In der Gemeinde macht sich der Alltag bemerkbar: Es gibt Streit bei Abstimmungen, neue Ideen halten Einzug, von denen keiner weiß, ob sie zum Christentum passen oder nicht, es gibt mittelmäßige Prediger, Vieles wird zur Gewohnheit oder uninteressant. Die Kirche macht Rückschritte – verfällt sie vielleicht sogar?

Petrus rückt alles in ein anderes Licht! Es schreibt: das alles ist eine vorübergehende Betrübnis. Ihr seid jetzt nur eine kleine Zeit in Anfechtungen. Petrus beschlagnahmt alles christliche Leben unter das Lob Gottes. „Ihr könnt Gott auch für den Kleinkrieg loben, der unter euch herrscht!“ – das wagt er tatsächlich zu schreiben. Alles was ihr erlebt, muss dem Glauben dienen. Es gibt nicht „ein bisschen Christsein“, sondern alles gehört dazu.

Euer Glaube wird nach und nach wie ein Stück Gold werden, schreibt er:“ 6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre...“

Liebe Gemeinde, dass halbvolle Kirchen, verlorener Einfluss der Kirchen, mangelnde Jugendarbeit oder mittelmäßige Kirchenobere ein Grund zum Loben sein sollen, das können wir kaum glauben.

Trotzdem: diese Zeilen des Petrus haben Geschichte gemacht. Der große evangelische Liederdichter Paul Gerhardt hat in seinem Lied „Befiel du deine Wege“ diesen Gedanken auf den einzelnen Gläubigen bezogen. Jeder entdeckt in seinem eigenen, ganz privaten Leben den Zweifel – den Glauben ohne Zauber von Ostern. In seinem Lied heißt es:
Befiehl du deine Wege / und was dein Herze kränkt /
der allertreusten Pflege / des, der den Himmel lenkt./
Der Wolken, Luft und Winden / gibt Wege, Lauf und Bahn,/
der wird auch Wege finden, / da dein Fuß gehen kann.
Er wird zwar eine Weile / mit seinem Trost verziehn /
und tun an seinem Teile, / als hätt' in seinem Sinn /
er deiner sich begeben / und, sollt'st du für und für /
in Angst und Nöten schweben,/ als frag er nichts nach dir.

Paul Gerhard weiß, dass der Trost eine Weile ausbleiben kann und wir denken könnten „Gott fragt nicht nach mir“. Er schreibt: “Gott tut so, als ob er nicht nach dir fragt.“ Auch hier wieder der Gedanke: “eine kleine Zeit seid ihr traurig und angefochten.“

Petrus schreibt in seinem Brief weiter: „Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht.“ Wie bei einem Liebesbrief klingt das. Liebe kann man auch nicht „beweisen“ oder messen. Man muss sie glauben. Das ist nicht einmal eine Anstrengung – nein es passiert von ganz alleine.

Liebe Gemeinde, Der reiche Kornbauer aus dem Gleichnis von Jesus sammelt seine Ernte, seine Erträge. Die Werbung der Bausparkasse setzt voraus, dass wir Menschen auch nichts Besseres im Sinn haben, dass uns sonst nichts zum Leben einfällt, als Sparbücher anzulegen.

Ich glaube, wir legen heute Sparbücher mit SORGEN an. Wir sammeln unsere Kritik und unseren Frust, unseren „klaren Durchblick“ und sogar unsere Hoffnungslosigkeit. Wir befinden uns in einer ständigen „midlife-crisis“. Das heißt: wir empfinden, dass unser Leben nach vorne immer kürzer und nach hinten immer länger wird. Unsere Zukunft wird kleiner mit jedem Tag – mit jedem Kalenderblatt.

Petrus beendet seinen Text mit den Worten:“ 8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, 9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Der Seelen Seligkeit – das klingt nun vollends unmodern. Da sammeln wir lieber unsere Kritik und frohlocken, wenn wir wieder einmal „Recht haben“ – und bis zum Sparbuch als höchstem Lebensziel ist es dann nicht mehr weit. Petrus sagt: Der Glaube ist nicht die Errettung der Seelen, sondern er erwartet sie!

Der Zauber des Ostermorgens liegt also noch vor uns.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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  Predigt - (Phil 2,11 ;  Joh 8,7)  28.03.10 (Auszug) Pfr. Zillmann

"Jesus Christus ist der Herr."  Phil 2,11

Der Rücktritt von Bischöfin Käßmann hat viele Menschen politisch und emotional bewegt. Fragen wurden gestellt – oft mit Bedauern, aber oft auch mit verschmitzter Häme. "Na Herr Pfarrer, was halten sie denn davon, was ihre Chefin so macht?"

BischofWas soll man darauf Antworten? Ich selber kenne Frau Käßmann nicht und ich kenne auch niemanden, der sie persönlich gut kennt. Somit ist sie für mich eine Figur in der Medienwelt, die mit meiner kirchlichen Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Eine Antwort zur Person wäre abstrakt und immer fragwürdig. Lange Zeit wird das Image der betrunkenen Bischöfin an ihr hängen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.

Interessant waren für mich die Reaktionen auf ihre Tat. Es gab eine Welle von Sympathiebezeugungen. Vorauseilend wurde sie entschuldigt. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat ihr bedingungslos sein Vertrauen ausgesprochen und die Bitten, dass sie nicht zurücktreten möge, überhäuften sich.

Sie ist/war eine Frau, die mit ihrer menschlichen und sympathischen  Art viel Zuneigung erwarb. Als Ikone des Protestantismus wurde sie gar verehrt. Andere dagegen frohlockten im Internet kurz und bündig: "Der liebe Gott hat der Sozi-Tante endlich die rote Ampel gezeigt!"

Dass Meinungen zu einer Person so hart auseinandergehen ist nicht neu. In unserer Mediengesellschaft wurde Bischöfin Käßmann zu einer öffentlichen und zu einer politischen Institution mit Vorbildwirkung aufgeputscht. Aber die Autorität des Amtes leidet, wenn die Person Fehler macht. Und Menschen machen immer Fehler.

Auch aus diesem Grunde hatte man in der Reformationszeit das Bischofsamt abgeschafft. Mehrere Jahrhunderte sind wir in unserer Region ohne Bischof gut gefahren. Geleitet wurde die Kirche von mehreren Ältesten und Pfarrern.

Erst die Nationalsozialisten haben das Führerprinzip in die Evangelische Kirche zurückgeholt. Christen sollen gleichgeschaltet werden, um sie später besser ausschalten zu können. Die Rechnung ging nicht auf, aber das Bischofsamt war wieder da und ist geblieben.

Jetzt haben wir eine Menge moralischer Führungspersönlichkeiten, die scheinbar genau wissen, wo es lang geht und die ein Projekt nach dem anderen durchs Dorf jagen. Aber wir haben niemanden mehr, der in unserer Kirche die Toiletten sauber macht. Das ist das Problem.

Das Bischofsamt gehört darum abgeschafft. Eine protestantische Kirche braucht keinen Führer und keinen Chef auf Erden - auch nicht, wenn er/sie weiblich ist. Allein Jesus Christus ist der Herr.  AMEN



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